Bild-Sprache und Wirkung

Intrasonanz basiert auf dem, was mir das Leben geschenkt hat. Dazu gehört mein künstlerisches Tun zum Thema Leid vs. Geborgenheit in der Menschheitsgeschichte.

In den archaischen Figuren spiegeln sich die Betrachter mit ihrem ganzen und ihrem zerstörten Selbst und reagieren sehr unterschiedlich. Mit dem, was da und warum es passiert, beschäftigte ich mich lange Jahre intensiv.

Aufgrund meiner Biographie bin ich dem christlichen Glauben stark verbunden, und bestimmte Sätze halfen mir, das zu verstehen, was ich heute Intrasonanz nenne.

Der eine Satz stammt aus der katholischen Liturgie und lautet „aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund“ – wobei Gott hier gebeten wird zu sprechen. Intrasonanz bedeutet zu wissen, dass Gott auf jeden Fall sprechen wird bzw. bereits gesprochen hat, man sich dessen bislang nur nicht bewusst war – und dass die nötigen Worte vom Gott ebenbildlich geschaffenen Menschen selbst-verständlich gesprochen werden können.

Der zweite Satz stammt aus dem Markus-Evangelium und lautet „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.“ (Mk 7,7) Genau so arbeitet Intrasonanz und entspricht damit auch anderen immer selbstverständlicher werdenden, nicht ursächlich christlichen Überzeugungen, wie zum Beispiel, dass Gedanken und Worte Realität erschaffen. Wobei ich an „nicht ursächlich christlich“ allein bereits aufgrund 1. Mose 1, wo Gott spricht und nennt, sowie aufgrund Joh 1, 1-5 ein Fragezeichen setze.

Gleichwohl ist Intrasonanz jenseits aller Religionen und Weltanschauungen angesiedelt und durch Bewusstsein sowie das Wort einfach nutzbar. Darüber hinaus geht es darum, einander zu sehen und wahrzunehmen, was ist.

In meiner Praxis als Mentorin ist es für mich immer wieder ein bewegender Moment, wenn ein Mensch intrasonant in seine ureigene Ausrichtung und anschließend in sein Ich bin nur zurückfindet. Vor allem der Blick der Person, die „Herausschau“ aus den Augen dieser Menschen auf die Welt, verändert sich regelrecht schlagartig und zugleich unbeschreiblich sanft.

„Sei Du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt“, sagte Mohandas Karamchand Gandhi. In der bedingungslosen Liebe für sich selbst und andere anzukommen deucht mir die richtige Veränderung, auf dass trotz aller kultureller Unterschiede endlich Frieden auf Erden werde, der schließlich bereits vor rund 2.000 Jahren postuliert wurde. Allerdings haben es lediglich die Menschen in der Hand, ob dieser Frieden möglich ist – und aufgrund dieser Tatsache hat sich die Theodizeefrage zumindest hinsichtlich von Menschen geschaffener Absonderlichkeiten eigentlich erledigt.

In wie weit Menschen zum friedlichen, wertschätzenden Miteinander – auch mit der Umwelt – in der Lage sind, basiert auf dem Grad ihrer innerlichen Versehrtheit und den Strategien, die sie infolge entwickelt haben. Wären sie ganz und also in der bedingungslosen Liebe, täten sie einander und dem, was sie sonst noch umgibt, nämlich ganz entspannt nichts zuleide. Aufgrund ihrer Versehrtheit müssen sie auf Erden jedoch mühsam lernen, was okay ist und was nicht.

Genau darauf basieren denn auch die auf Erden herrschenden Systeme, die bislang nicht zu dauerhaftem Frieden geführt haben. Allerdings weiß der Mensch in sich genau, was okay ist und was nicht, und bestimmte Entwicklungen in der Menschheitsgeschichte, allem voran die Definition der unantastbaren Menschenwürde, zeigen, dass es ein starkes, wenn leider auch immer wieder brüchiges, Bewusstsein für die Unversehrtheit gibt.

In Apocaluther heißt es „Ein heiler Mensch stört das System.“ Gemeint ist hier das althergebrachte System von Macht und Ohnmacht, falsch und richtig, arm und reich, das sich aus der Versehrtheit der Menschen und ihren Bedürftigkeiten nährt und darum selbstverständlich von ganz werdenden Menschen „gestört“ wird, die ein auf Liebensmangel und Sucht basierendes System immer weniger „brauchen“. Diese Menschen wissen und spüren auch, dass es keiner Revolutionen bedarf, um Systeme zu stürzen, sondern lediglich des Ganzwerdens von immer mehr Menschen, weil sich mit diesen die sie umgebenden Systeme einfach mit verändern.

Ganz werdende Menschen sind darum einem die Umwelt achtenden, gerechten Wirtschaften und so dem Weltfrieden dienlich. Ein ganz werdender Mensch kann immer besser auf Augenhöhe mit anderen umgehen, wird unabhängig von Statussymbolen, Macht und Geld, er verlässt seine Ohnmacht, kann im Innen Selbstkompetenz und Selbstwertgefühl entwickeln, ohne im Außen immer mehr haben zu müssen. Ganz werdende Menschen sind auch den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz (KI) besser gewachsen, die vorgibt, menschliche Defizite zu füllen. Seine Defizite füllt der Mensch besser und KI-resistierend mit sich selbst auf.

Die überfällige Abkehr vom schrecklichen Usus, unwillige Kinder zu verprügeln oder mit Distanz zu strafen, hat dazu geführt, dass wir heute in zahlreichen Ländern glücklicherweise zahlreiche junge Erwachsene haben, die sich sehr viele ihrer Seelenanteile bewahren konnten. Aus diesem Grund sind sie zu einem viel friedlicheren Miteinander fähig als alle Generationen zuvor und fordern den liebevolleren, achtsamen Umgang mit der gesamten Schöpfung zu Recht ein.

Intrasonanz vertraut auf, weiß um und nutzt das absolute, radikale Getragensein durch das Eins, das unabhängig jeglicher Religion und Weltanschauung da ist.

Ulrike Streck-Plath

Maintal-Dörnigheim, im April 2020